Samstag, 4. Oktober 2008

Weiter schreibt Ingo-Wolf Kittel: "Sie (d.i. die Aufmerksamkeit) ist die schnellste Aktivität, die wir aus eigener Erfahrung kennen. Wenn wir sie konstant auf etwas zu richten verstünden, könnten wir Beeindruckendes erleben: bei Einschränkung auf ein einzelnes Objekt höchste Konzentration, bei Ausweitung »auf alles« den sagenhaften Gleichmut und die ungeheure Weite der Achtsamkeits-Meditation, eine »hintersinnige« wie gleichzeitig auch eine »übersinnliche«
Tätigkeit."

Auch hier kann ich Herrn Kittel nur zustimmen. Ich möchte seine Aussage noch ergänzen: Die Ausrichtung unserer Aufmerksamkeit auf ein Objekt und die Ausweitung auf Alles kann sogar heilsam sein. Mit anderen Worten: Wenn wir es lernen, mehr im Hier und Jetzt zu leben, lernen wir es auch, Abstand von unseren Prägungen durch die Vergangenheit und von unseren Sorgen, die sich auf die Zukunft richten zu nehmen. Ganz in der Gegenwart leben zu können, wäre ein Stück Glück, aber dies erfordert viel Konzentration, eine Konzentration, für die Religionen Übungen zur Verfügung gestellt haben.

Und die Ausweitung dieser Konzentration auf Alles bringt, wie Herr Kittel richtig schreibt, Gelassenheit, Gleichmut. Aber auch dies müssen wir erst lernen, denn aus irgendwelchen Gründen wird unsere Aufmerksamkeit immer wieder von Gedanken und Ereignissen in Anspruch genommen, die in der Vergangenheit, die nicht mehr ist, oder in der Zukunft, die noch nicht ist, liegen.

Die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Hier und Heute zu richten und dazu alles nutzbar zu machen, was uns hilft, kann selbst aus schweren psychischen Krisen retten. Das ist die Heilkraft, die uns Religionen, gleich welcher Art, an die Hand gegeben haben, bevor der moderne Mensch sie zerpflückte und die Psychoanalyse erfand.